Ein Gedicht aus der Feder einer KI.

Kann Künstliche Intelligenz kreativ sein? Gute Frage. Um diesem Rätsel nachzugehen, ließen wir eine von uns angelernte KI ein Gedicht völlig eigenständig verfassen. Dazu erstellten wir zunächst ein rekurrentes, neuronales Netz, das im Aufbau dem menschlichen Gehirn ähnelt.

Dieses Netz verbanden wir mit dem Word2Vec Programm und spielten schließlich tausende bereits bestehenden Gedichten ein. Ganz einfach, oder? Die KI begann dadurch zu lernen – Vokabular, Semantik, Rhythmik. Das erste Gedicht der KI reichten wir bei einem der renommiertesten Wettbewerbe im deutschsprachigen Raum ein – natürlich ohne Hinweis auf seine Entstehung.

 

Sonnenblicke auf der Flucht.

Auf der Flucht gezimmert in einer Sommernacht.
Schleier auf dem Mahle. Säumung Nahrung, dieses Leben.

Die Stille der Bettler umfängt mich in einer schmausenden Welt.
Der junge Vogel ist ein Geschoß, vom Sturmwild getragen, im Leben betrogen.

Seelenvolle Tänze und heiligen Lippen der Schande. Flammen auf dem Flug, Licht in den Kehlen. Das Böse bestet sich auf der Wiese, die Götter rennen. Glocken hallen, Donner schwingen.

Die Liebe bringt mir das Geschäft, dein leichtes Herz verlangend. Goldene Glieder, wildes Blut, geheime Tiefe, dein himmlischer Reiz und lebendiger Quell beflügelt mich. Du erklirrende, enheilende Gestalt. Züchtiger Glaube erbleicht die Seele.

 

Gibt es künstliche Kreativität?

Das Ergebnis: Die Brentano-Gesellschaft nahm es in ihren Jahresband auf, ohne zu wissen, dass der Schöpfer dieses Werkes eine Maschine ist. Der Band mit unserem Gedicht inspiriert nun Leser in Bibliotheken rund um die Welt. Denn was macht ein kreatives Werk aus? Inspiration – selbst, wenn es von künstlicher Intelligenz geschaffen wurde.

Das mediale Echo war überwältigend, hier einige Pressestimmen:

> Medianet, 21.3.2018
> derStandard, 21.3.2018
> Computerwelt, 21.3.2018
> Horizont, 21.3.2018
> Heute, 21.3.2018
> The World News, 21.3.2018